Nicht abrechenbare Zeit: wie viel du hast, wie du sie misst und was du damit machst
Nicht abrechenbare Zeit ist alles, was du für dein Geschäft tust, aber keinem Kunden in Rechnung stellst: E-Mails, Angebote, Verwaltung, Buchhaltung, Marketing, Weiterbildung oder Fahrten. Bei Selbstständigen macht sie oft einen großen Teil der Woche aus – und wenn du sie nicht in deinen Satz einrechnest, verdienst du pro Stunde weniger, als du denkst. Schätzungen aus dem Kopf sind meist zu optimistisch. Verlässlicher ist es, zwei Wochen lang die gesamte Arbeitszeit zu messen, sie in abrechenbar und sonstige zu teilen und daraus deinen tatsächlichen, effektiven Stundensatz zu berechnen.
- Nicht abrechenbare Zeit = Arbeit fürs Geschäft, die niemandem berechnet wird: E-Mails, Angebote, Verwaltung, Marketing, Weiterbildung.
- Menschen schätzen die Dauer ihrer eigenen Arbeit beständig zu optimistisch (Buehler et al., 1994) – miss sie, statt zu schätzen.
- Effektiver Stundensatz = Einnahmen ÷ alle Arbeitsstunden, nicht nur die abgerechneten.
- Fortschritt regelmäßig zu prüfen und festzuhalten erhöht schon allein die Chance, dass sich etwas ändert (Harkin et al., 2016).
- Ablauf: zwei Wochen messen, in Kategorien teilen, Anteil berechnen, Satz anpassen oder unnötige Arbeit streichen.
Was nicht abrechenbare Zeit ist
Abrechenbare Zeit ist Arbeit an einem Auftrag, die du dem Kunden berechnest – nach Stunden oder als Teil des Preises. Nicht abrechenbare Zeit ist alles andere, was du tun musst, damit das Geschäft läuft:
- Kommunikation: E-Mails, Nachrichten und Telefonate, die zu keinem Auftrag gehören.
- Vertrieb: Angebote, Gespräche mit möglichen Kunden, Portfolio.
- Verwaltung: Rechnungen, Belege, Bank, Verträge.
- Marketing: Website, soziale Medien, Newsletter.
- Weiterbildung: Kurse, neue Werkzeuge lernen.
- Sonstiges: Fahrten, Technik reparieren, Ordner aufräumen.
Nichts davon ist „verlorene“ Zeit. Zum Problem wird sie nur, wenn du nicht mit ihr rechnest.
Warum sie zählt: der effektive Stundensatz
Stell dir eine Grafikdesignerin mit einem Satz von 50 € pro Stunde vor. Im Monat rechnet sie 100 Stunden ab, also 5.000 €. Dazu arbeitet sie 50 Stunden, die sie niemandem berechnet – Angebote, E-Mails, Rechnungen, Portfolio. Ihr effektiver Stundensatz liegt bei 5.000 € ÷ 150 Stunden, also etwa 33 € pro Stunde. Ein Drittel weniger, als sie denkt.
Wer diesen Unterschied nicht sieht, setzt leicht einen Satz an, der Kosten, Urlaub und Tage ohne Aufträge nicht deckt. Für eine Kalkulation brauchst du eine Zahl, die die meisten nicht kennen: wie viele Stunden pro Woche du wirklich abrechnest.
Nicht abrechenbare Zeit in zwei Wochen messen
- Miss alles, nicht nur Aufträge. Starte zwei normale Wochen lang den Timer auch für E-Mails, Angebote und Verwaltung. Nicht im Nachhinein schätzen – Roger Buehler und Kollegen (1994) zeigten, dass wir die Dauer unserer eigenen Arbeit beständig unterschätzen.
- Leg ein paar Kategorien an. Fünf reichen: Kommunikation, Vertrieb, Verwaltung, Marketing, Weiterbildung. Mehr Kategorien machen das Messen unnötig kompliziert.
- Am Ende der Woche zusammenzählen. Wie viele Stunden waren abrechenbar, wie viele sonstige? Wie hoch ist der Anteil abrechenbarer Zeit?
- Den effektiven Stundensatz berechnen. Teile die Einnahmen des Zeitraums durch alle Arbeitsstunden. Vergleiche mit dem, was du zu verdienen glaubst.
- Den größten Posten finden. Meist frisst eine Kategorie am meisten. Dort lohnt sich der Anfang.
Am einfachsten misst du diese Stunden mit einer kostenlosen Zeiterfassung-App; wie Aufträge, Zeit und Tagesplan bei Freelancern zusammenspielen, zeigt die App für Selbstständige. Praktisch weiterarbeiten: Arbeitswoche planen als Selbstständige:r.
Was du mit dem Ergebnis machst
- Rechne sie in den Satz ein. Wenn du nur zwei Drittel deiner Zeit abrechnest, muss der Satz pro abrechenbarer Stunde auch das restliche Drittel tragen.
- Bündle Kleinkram. E-Mails und Verwaltung in ein oder zwei Blöcke am Tag statt ständigem Unterbrechen.
- Leg dir Vorlagen an. Wiederkehrende Angebote, Antworten auf häufige Fragen, Onboarding neuer Kunden. Jede Vorlage spart Stunden im Jahr.
- Vereinbare, was im Preis enthalten ist. Besprechungen, zusätzliche Korrekturrunden und Fahrten können abrechenbar sein, wenn das vorher klar vereinbart ist.
- Rechne sofort ab. Stunden, die auf die Rechnung warten, werden vergessen. Wie du offene Rechnungen nachhältst, zeigt Zahlungserinnerung: Vorlage.
Benjamin Harkin und Kollegen (2016) fanden, dass schon das regelmäßige Prüfen und Festhalten des Fortschritts die Chance erhöht, dass sich etwas ändert. Es reicht, einmal im Monat auf den Anteil abrechenbarer Zeit zu schauen.
Wie viel nicht abrechenbare Zeit ist normal?
Eine verlässliche allgemeine Zahl gibt es nicht: Sie hängt von Branche, Größe der Aufträge und davon ab, wie lange du schon selbstständig bist. Am Anfang, wenn du Kunden suchst, ist meist mehr nicht abrechenbare Zeit dabei, mit Stammkunden weniger. Statt dich mit anderen zu vergleichen, beobachte deinen eigenen Trend – und wenn der Anteil abrechenbarer Zeit sinkt, frag nach dem Warum.
Wie du Kleinkram bündelst und dich besser konzentrierst, beschreibt Deep Work.
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In CORTEX (kostenlos für alle) misst du Zeit im Modul Arbeit. Bei jedem Projekt legst du einen Satz und den Schalter Abrechenbar fest – für eigene Verwaltung oder Marketing legst du dich selbst als Kunden an und erstellst ein Projekt, das nicht abrechenbar ist. Der Bereich Zeit zeigt noch nicht abgerechnete Zeit, den abrechnungsbereiten Betrag und wie viel Prozent der Zeit abrechenbar waren, die Berichte teilen die Stunden in abrechenbar und sonstige, und beim Projekt siehst du den effektiven Satz (abgerechnet ÷ gearbeitet). Noch nicht abgerechnete Zeit wird mit einem Klick zur Rechnung. Wenn du ein Konto hast, öffne Arbeit → Zeit.

Häufige Fragen
Was ist nicht abrechenbare Zeit?
Nicht abrechenbare Zeit ist Arbeit für dein Geschäft, die du keinem Kunden berechnest: E-Mails, Angebote, Verwaltung, Rechnungen, Marketing, Weiterbildung oder Fahrten. Sie gehört zur Selbstständigkeit, muss aber im Stundensatz berücksichtigt sein.
Wie berechne ich meinen effektiven Stundensatz?
Teile die Einnahmen eines Zeitraums durch alle Arbeitsstunden, also abrechenbare und nicht abrechenbare. Wenn du im Monat 5.000 € abrechnest und insgesamt 150 Stunden arbeitest, liegt der effektive Satz bei etwa 33 € pro Stunde.
Wie viele Stunden pro Woche rechnet eine Freiberuflerin ab?
Eine allgemeingültige Zahl gibt es nicht, sie hängt von Branche und Phase der Selbstständigkeit ab. Verlässlich findest du es nur durch Messen heraus: Notiere zwei normale Wochen lang die gesamte Arbeitszeit und berechne den Anteil abrechenbarer Stunden.
Soll ich nicht abrechenbare Zeit Kunden berechnen?
Direkt meist nicht, aber sie muss im Satz eingerechnet sein. Manche Tätigkeiten – Besprechungen, zusätzliche Korrekturrunden, Fahrten – lassen sich abrechnen, wenn das vorher klar vereinbart ist.
Wie verringere ich nicht abrechenbare Zeit?
Bündle E-Mails und Verwaltung in ein oder zwei Blöcke am Tag, leg Vorlagen für wiederkehrende Angebote und Antworten an, rechne direkt nach Abschluss ab und vereinbare klar, was im Preis eines Auftrags enthalten ist.
Quellen und weiterführende Literatur
- Buehler, R., Griffin, D. & Ross, M. (1994): Exploring the „planning fallacy“: Why people underestimate their task completion times – Journal of Personality and Social Psychology
- Harkin, B., Webb, T. L., Chang, B. P. I. et al. (2016): Does monitoring goal progress promote goal attainment? A meta-analysis of the experimental evidence – Psychological Bulletin
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